Mitgliederversammlung 2017

In München hat am 18. Juli die Mitgliederversammlung des LSWB stattgefunden. LSWB-Präsident Manfred F. Klar konnte hierbei zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Zu diesen zählten der Deutsche Steuerberaterpräsident Harald Elster, die Präsidenten der Steuerberaterkammern in München und Nürnberg, Dr. Hartmut Schwab und Dr. Dieter Mehnert, Wolfram Rappl, der Präsident der bayerischen Wirtschaftsprüfer, und Bodo Richardt, Präsident des Europäischen Wirtschaftsprüferverbands EFAA.

Harald Elster erläuterte den anwesenden LSWB-Mitgliedern in seinem Grußwort die EU-Binnenmarktstrategie und die sich hieraus potenziell ergebenden dramatischen Folgen für den Berufsstand (siehe auch S. 9). Besonderes Augenmerk schenkte er dabei den Themen Notifizierungsverfahren, der elektronischen Dienstleistungskarte sowie der diskutierten Abschaffung von Kapitalbindung und Kammerzwang. Elster: „Wenn wir nicht aufpassen, werden Kanzleien in Zukunft nicht mehr von Steuerberatern geführt, sondern von Menschen, die glauben, sie kennen sich mit Steuern aus. Es gibt keine funktionierende Alternative zur beruflichen Selbstverwaltung.“

Dr. Hartmut Schwab lobte die funktionierende Aufgabenteilung von Verband und Kammern und die daraus erfolgende gute Zusammenarbeit. Anschließend präsentierte er das berufspolitische Engagement der Kammern bei der Gestaltung des Verfahrensmodernisierungsgesetzes. Er stellte dabei die auf Inititative der Kammern geschaffene Containerlösung vor, die eine unbürokratische, digitale Alternative zur Belegvorhaltepflicht darstellt.

Dr. Dieter Mehnert betrachtete in seinem Grußwort die Gesamtheit der zahlreichen Herausforderungen, die sich der Berufsstand aktuelle gegenübersieht: angefangen beim demografischen Wandel, über die Digitalisierung bis hin zu den bereits angesprochenen Deregulierungsbestrebungen der EU. Der Nürnberger Kammerpräsident stellte klar, dass er beim Kampf für den Erhalt der Berufsstandsrechte nicht mit Unterstützung der Politik rechne. Leise sein sei daher die falsche Strategie, so Mehnert: „Mit Ruhe erreichen wir nichts. Wir müssen unsere Interessen laut artikulieren!“

EFAA-Präsident Bodo Richardt gab den anwesenden Mitgliedern eine Einführung in die Welt der Brüsseler Interessenvertretung, wobei das eigentlich zu kurz gesprungen sei: Denn große Teile, der die Wirtschaftsprüfung betreffenden Regulatorik, werden in New York und London verabschiedet. Mindestens so wichtig wie die Interessenvertretung selbst, sei deren Kommunikation. Denn nur wer wahrgenommen werde, könne auf diesem Gebiet langfristig erfolgreich sein.

Das letzte Grußwort des Tages sprach Wolfram Rappl, Landespräsident Bayern der Wirtschaftsprüferkammer. Rappl legte dar, wie der demografische Wandel und der Fachkräftemangel die Anforderungen an WP-Praxen, die Kammer und das Ausbildungswesen verändern. Zudem zeigte er auf, wie der WP-Kammer in den letzten Jahren der Wandel zum Dienstleister gelang.

Klar erteilt Anzeigepflicht eine Absage

LSWB-Präsident Manfred Klar, der im Anschluss seine Grundsatzrede hielt, nutzte die Mitgliederversammlung, um einerseits seine Strategie für die künftige Ausrichtung des LSWB vorzustellen, und andererseits, um klare Forderungen an die Politik zu richten.

Besonders scharf ging er mit den Plänen der EU ins Gericht, eine generelle Anzeigepflicht für Steuergestaltungen einzuführen. Das heißt, Mandanten sollen – vertreten durch ihre Steuerberater – selbstständig gesetzeskonforme, aber möglicherweise vom Fiskus ungewollte Lücken im Steuerrecht bei der Finanzverwaltung melden. Setzen sich die Hardliner durch, könnte künftig zum Beispiel schon der Wechsel der Steuerklasse als Steuergestaltung und damit anzeigepflichtig verstanden werden.

„Faktisch hat eine solche Anzeigepflicht die Aushöhlung des Vertrauensverhältnisses zwischen Steuerberater und Mandant zur Folge“, so Klar: „Wir müssen dringend aufpassen, dass der Staat nicht jedem Bürger und Unternehmer grundsätzlich eine Neigung zur Kriminalität unterstellt oder eine vorsätzliche oder fahrlässige Steuerhinterziehung vermutet.“

Zudem plädierte der LSWB-Präsident für einen „Steuervollzug auf Augenhöhe“: Man sei zwar gemeinsam mit der Finanzverwaltung Teil der Steuerrechtspflege. „Wir können aber nur auf Augenhöhe agieren, wenn die Verwaltung die Chancen, die die Digitalisierung bietet, auch nutzt.“ Technologien, die Steuerberater bereits seit langem adaptieren, würden aus Kostengründen in den Ämtern nicht genutzt. Der Investitionsstau in der Verwaltung müsse daher aufgelöst werden, so Klars Forderung.

Verband gut aufgestellt

LSWB-Vizepräsidentin Sabine Dietloff stellte die mittelfristige Personalplanung des Verbands vor. Zudem betonte Sie die Pläne zur Ausweitung der Verbandsaktivitäten hinsichtlich der Förderung dualer Studiengänge. Derzeit fördere der LSWB die Standorte Ismaning und Landshut, wolle diese Aktivitäten aber auf weitere Hochschulstandorte ausweiten.

LSWB-Vizepräsidentin Ingrid Menges stellte die verschiedenen Dienstleistungen des Verbands vor, darunter Fachhotline und Gutachtenservice. Großes Augenmerk legte sie auf die Chance zur Teilnahme an der Verbandszertifizierung nach DIN ISO EN 9001. Diese ermögliche Verbandsmitgliedern die Schaffung eines nachhaltig wirkenden Qualitätsmanagements und eine deutliche Wertsteigerung der Kanzlei.

LSWB-Schatzmeister Andreas Huber präsentierte den Mitgliedern den Geschäftsabschluss. Die guten Zahlen würden es dem Verband ermöglichen, den Umzug in eine neue Geschäftsstelle und weitere Investitionen in IT und Personal zu tätigen. Vor dem Hintergrund der sehr erfreulichen Zahlen entlasteten die Mitglieder den Vorstand und genehmigten den Erfolgsplan für das Jahr 2018.