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„Der LSWB hilft dabei, über den eigenen Kanzleialltag hinauszublicken.“

Interview mit Isabella Huber, Steuerberaterinbei der accuratio GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Datum:

Heft 01/2026: Junge Steuerberater

Portrait Isabella Huber © Foto: Bernhard Huber

Isabella Huber ist seit April 2025 Steuerberaterin und Mitglied im Ausschuss des LSWB für junge Steuerberater. Wir vom LSWB-Magazin freuen uns, ihre Perspektiven kennenzulernen.

LSWB: Blick in die Zukunft: Was erwarten Sie von der Zukunft des Berufsstands? Welche Herausforderungen sehen Sie? Welche Neuerungen?

Isabella Huber: Die Zukunft des Berufsstands ist angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und der zunehmenden Komplexität steuerrechtlicher Fragestellungen von mehreren Faktoren geprägt, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen.

Es ist zu erwarten, dass die Digitalisierung und die Automatisierung der Arbeitsprozesse weiter voranschreiten werden. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz werden künftig viele Standardprozesse, wie etwa die Erstellung der Steuererklärung oder der Buchhaltung, zunehmend automatisiert. Dies wird die Effizienz erheblich steigern und die Steuerberater in die Lage versetzen, sich stärker auf anspruchsvollere und strategische Aufgaben zu konzentrieren. Ein Beispiel für diese Entwicklung sind bereits heute existierende Programme, die Steuererklärungen weitgehend selbstständig ausfüllen können, wobei der Steuerberater lediglich eine Qualitätssicherung und die Überprüfung auf Besonderheiten vornehmen muss. Solche Tools entlasten die Fachkräfte und schaffen Freiraum für eine intensivere Beratung der Mandanten in steuerrechtlich komplexeren Sachverhalten, wie etwa in der Unternehmensnachfolge oder bei internationalen Steuerfragen. Der Steuerberater wird daher in Zukunft weniger als Sachbearbeiter, dafür aber mehr als „Troubleshooter“ (Problemlöser) gefragt sein.

Diese Entwicklung geht jedoch auch mit Herausforderungen einher, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz und die Datensicherheit. Der Umgang mit sensiblen Mandantendaten wird zunehmend in den Fokus geraten, da die entsprechenden Systeme und Technologien den Anforderungen der DSGVO gerecht werden müssen. Steuerberater müssen sich hier nicht nur technisches Wissen aneignen, sondern auch juristisch fundierte Kenntnisse in Bezug auf die rechtlichen Rahmenbedingungen der Datenverarbeitung haben. Diese Anforderungen stellen eine nicht unerhebliche Herausforderung dar, insbesondere in kleineren Kanzleien, die möglicherweise nicht über die eigenen Ressourcen für eine umfassende IT-Sicherheitsstrategie verfügen.

Es wird immer wichtiger werden, dass Steuerberater nicht nur juristische und steuerliche Expertise mitbringen, sondern auch über tiefgehende Kenntnisse in der EDV-Anwendung verfügen.

Im Hinblick auf Neuerungen ist zu erwarten, dass der Berufsstand zunehmend interdisziplinär ausgerichtet sein wird. Es wird immer wichtiger werden, dass Steuerberater nicht nur juristische und steuerliche Expertise mitbringen, sondern auch über tiefgehende Kenntnisse in der EDV-Anwendung verfügen. Hier müssen EDV-Anwendungsprobleme effektiv behoben werden und fehlerhafte automatisierte Hintergrundprozesse aufgedeckt werden, um unnötige Mehrarbeit zu vermeiden.

Außerdem werden auch Kenntnisse in angrenzenden Bereichen wie der Betriebswirtschaft, dem internationalen Recht und dem Finanzwesen erforderlich sein. Die Spezialisierung in einem bestimmten Bereich wird zunehmend gefragt sein, da die Mandanten immer individuellere und maßgeschneiderte Beratung benötigen. Hierzu wird eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Experten wie Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern und Rechtsanwälten erforderlich sein.

Darüber hinaus wird die Komplexität der steuerrechtlichen Vorschriften wohl weiter zunehmen. Das Steuerrecht ist ohnehin schon sehr komplex, doch die fortschreitende internationale Vernetzung und die steigende Anzahl an internationalen Abkommen und Regulierungen werden voraussichtlich zusätzliche Hürden aufwerfen.

Seit langem wird für den Berufsstand auch der Eintritt jüngerer Generationen in das Arbeitsleben hinsichtlich der Chancen und Risiken intensiv diskutiert. Meiner Einschätzung nach unterscheiden sich die Generationen durchaus in ihrer Herangehensweise an die Arbeit. Oftmals werden hier durch jüngere Generationen neue Lösungswege gewählt. Bei der Umsetzung werden größtenteils – mit etwas Vertrauen in diese Arbeitsweise – hervorragende Ergebnisse erzielt. Neue Berufseinsteiger können für unseren Berufsstand also eine große Chance für das Arbeiten von morgen sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Chancen, die die Zukunft bereithält, erkannt und genutzt werden sollten, während man sich auch den Herausforderungen bewusst stellen muss. Die Digitalisierung bietet erhebliche Potenziale für Effizienzsteigerungen und neue Geschäftsfelder, erfordert jedoch eine kontinuierliche Anpassung an technologische Entwicklungen und rechtliche Änderungen. Steuerberater müssen daher ihre Fachkompetenzen erweitern, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

LSWB: Haben Sie als Steuerberaterin Wünsche an die Kanzleiinhaber?

Isabella Huber: Aus Sicht einer angestellten Steuerberaterin beziehungsweise einer Partnerin besteht der Wunsch nach einer zeitgemäßen Führungskultur, die von Transparenz, Wertschätzung und Verlässlichkeit geprägt ist. Klare Entwicklungsperspektiven, nachvollziehbare Beteiligungsmodelle sowie die Förderung eigenverantwortlichen Arbeitens sind hierbei von zentraler Bedeutung. Ebenso wichtig erscheint mir die Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine nachhaltige Vereinbarkeit von beruflicher Verantwortung und privaten Lebensentwürfen ermöglichen, ohne die hohen fachlichen Standards des Berufsstands zu relativieren.

LSWB: Welchen Nutzen sehen Sie durch die Mitgliedschaft beim LSWB für sich?

Isabella Huber: Der LSWB hilft mir dabei, über den eigenen Kanzleialltag hinauszublicken. Durch Veranstaltungen und Fortbildungsangebote ergeben sich Einblicke in berufspolitische Themen und aktuelle Entwicklungen, die meine tägliche Arbeit beeinflussen. Besonders wertvoll ist der Austausch mit anderen Mitgliedern, etwa bei Fortbildungen oder bei regionalen Treffen. Dort entstehen Kontakte, aus denen sich fachliche Unterstützung oder auch langfristige Netzwerke und Freundschaften entwickeln können.

LSWB: Wie sollte an junge Steuerberater herangegangen werden, um sie für den Verband zu begeistern?

Isabella Huber: Junge Steuerberater sollten frühzeitig angesprochen und aktiv eingebunden werden. Wichtig ist, ihnen zu zeigen, dass der Verband konkrete Unterstützung bietet – etwa durch Fortbildungen, Netzwerke oder Austauschformate speziell für Berufseinsteiger. Moderne Kommunikationswege, praxisnahe Themen und echte Mitwirkungsmöglichkeiten tragen dazu bei, Interesse zu wecken. Wenn jungeMitglieder merken, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und sie konkret mitgestalten können, entsteht eine langfristigeBindung an den Verband.

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