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Der neue LSWB-Präsident stellt sich vor

Stefan Dreßler

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Autor: Stefan Dreßler, Präsident des LSWB

Heft 03/2025: Digitalisierungsstrategien

Fotos: Suchithra /adobe stock 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Oscar Wilde wusste, wie entscheidend der erste Eindruck ist, nicht nur auf der Bühne des viktorianischen Londons, sondern auch im wirklichen Leben. In diesem Sinne möchte ich mich Ihnen heute als neuer Präsident des Landesverbandes der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern vorstellen – mit Respekt vor dem Gewachsenen und mit klarem Blick für das Kommende.

Ich komme aus dem beschaulichen Traunstein im schönen Chiemgau. Der Geburt im Jahr 1979 nach ein echtes Münchner Kindl, erlebte ich bereits mein erstes Weihnachtsfest in der alten Heimat meiner Eltern. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Rosenheim folgten die praktische Tätigkeit in einer mittelständischen Kanzlei und das WP-Examen. Ich habe mich damals bewusst für den harten Weg des Vollexamens entschieden, die Herausforderung hat mich gereizt. Mit Idealismus, Mut und Weitblick bin ich seitdem in meiner Kanzlei und in unserem Verband tätig. Ich bin ein großer Verfechter der Ausbildung und versuche, junge Menschen vom meiner Meinung nach schönsten Beruf der Welt zu überzeugen. Umso mehr blicke ich nun mit Demut und Stolz auf die vor mir liegenden Aufgaben als Verbandspräsident. Schon seit Jahren widme ich einen großen Teil meiner Freizeit ehrenamtlichen Tätigkeiten im beruflichen Umfeld. Als Niederlassungsleiter in Traunstein, als Vorstandsmitglied im LSWB und als aktives Mitglied in verschiedenen Ausschüssen. Vielleicht haben Sie mich schon einmal bei einem Vortrag erlebt oder bei unserem mittlerweile etablierten Format LSWB.talk, unserem Online-Treffpunkt für Praxisfragen und aktuelle Themen. Als Mitglied der Vertreterversammlung der DATEV eG versuche ich, meine Stimme insbesondere für die Interessen der kleineren Kanzleien einzusetzen. Im Deutschen Steuerberaterverband durfte ich in den letzten Jahren in zwei aus meiner Sicht sehr wichtigen Ausschüssen mitarbeiten. Der Arbeitskreis Digitalstrategie – der Name lässt es erahnen – widmet sich dem Thema unserer Zeit. Digitalisierung und technologischer Wandel prägen die Zeit, in der wir leben und wirken, wie kein anderes Thema. Ich nehme für mich in Anspruch, einen sehr guten Zugang zur Technologie und den damit verbundenen Themen zu haben, und widme mich mit vollem Engagement den Möglichkeiten, aber auch den Grenzen, Chancen und Risiken, die sich aus dieser Entwicklung für unseren Berufsstand ergeben. Die weitere Entwicklung wird in Zukunft mindestens genauso wichtig sein wie die Themen, die wir im Steuerrechtsausschuss des DStV diskutieren, und damit nehmen wir die Möglichkeit wahr, uns aktiv in den Gesetzgebungsprozess einzubringen.

Bei der Vorbereitung auf diesen Beitrag habe ich auch den Bericht von Manfred F. Klar – meinem Vorgänger im Amt des Präsidenten – gelesen. Ich war völlig überrascht – nicht von der Vielfalt der Themen, sondern von der verblüffenden Aktualität der damals dargestellten Herausforderungen der Zukunft. Fachkräftemangel, Deregulierung und Digitalisierung nannte Manfred F. Klar schon damals als drei der zentralen Zukunftsherausforderungen, denen er sich stellen wollte. Das zeigt natürlich seine „hellseherischen Fähigkeiten”, aber vor allem die Nähe des Verbandes zum Berufsstand, zu den aktuellen Problemen und Themen. Der Blick auf die Themen zeigt aber auch die Resilienz unseres Berufsstandes. Bereits vor 10 Jahren wurde das Ende der Steuerberatung in der bekannten Form heraufbeschworen. Es ist bis heute nicht eingetreten. Das macht mir Mut, auch in Zukunft für uns und unseren Berufsstand einzutreten und zu handeln – und wenn nötig zu kämpfen.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle meinem Vorgänger, der den Verband über ein Jahrzehnt mit Umsicht, Klarheit und viel Herz für die Belange unseres Berufsstandes geführt hat. Manfred F. Klar hat sich nie gescheut, Themen offen und mutig anzusprechen und weit mehr zu geben, als man erwarten durfte. Ich sehe die große Verantwortung, die nun auf mich zukommt, und freue mich darauf.

Was sind die Themen der Zukunft, wenn mein späterer Nachfolger auch meine prophetischen Qualitäten beurteilen will? Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich die Künstliche Intelligenz nenne. Die Fortschritte auf diesem Gebiet sind wieder einmal Anlass, über das Ende unseres Berufs nachzudenken. Es wird Veränderungen geben, darüber müssen wir uns heute im Klaren sein. Aber Veränderungen, so massiv sie auch sein mögen, sind nicht das Ende, sondern nur eine Richtungsänderung des Weges, den wir gehen. Schon heute ist KI allgegenwärtig. Eine Entwicklung, die viele überrascht und unvorbereitet getroffen hat und deren Folgen wir nun zu bewältigen versuchen – wobei die Entwicklung nebenher weiterläuft und uns keine Zeit zum Innehalten lässt. Als Verband müssen wir uns dem Thema stellen, es begleiten und trotz der Geschwindigkeit der Entwicklung gestaltend an der Umsetzung im Berufsstand mitwirken. Noch nie in der Geschichte der Steuerberatung wurde so viel technologischer Zugriff gefordert wie heute.

Gleichzeitig zerren zwei Kräfte an unserem Berufsstand, die uns wie in einer Zerreißprobe in die Mitte nehmen. Nicht zuletzt getrieben durch den Fachkräftemangel soll die Steuerverwaltung weiter standardisiert und weitgehend automatisiert werden. Themen wie TaxCompliance rücken in den Fokus und bieten zukünftig das Potenzial, aufwändige Einzelfallprüfungen zu vermeiden. Andererseits nehmen trotz aller politischen Bekenntnisse zur Entbürokratisierung gerade diese formalen Herausforderungen zu. Man denke nur an die Ideen zur Einführung einer Anzeigepflicht für nationale Steuergestaltungen. Ein Bürokratiemonster, das bisher vor allem durch das ehrenamtliche Engagement des Berufsstandes verhindert werden konnte und für dessen weitere Verhinderung ich mich weiterhin stark machen werde.

Der Wandel im Berufsstand steht nicht vor der Tür. Wir sind mittendrin. Ursprünglich als Baustein der Altersvorsorge gedacht, ist der Erlös aus dem Verkauf einer Praxis heute eine kaum noch zu realisierende Größe. Die Strukturen in den Kanzleien verändern sich, so wie sich unser Beruf und unser Umfeld verändern. Klassische, repetitive Tätigkeiten werden durch Technologien ersetzt und andere Kompetenzen sind plötzlich gefragt. Wir konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr nur mit Kanzleien und Steuerabteilungen großer Unternehmen. Gleichzeitig hat die Technologie das Potenzial, ganze Berufsbilder zu vernichten und das existenzsichernde Kerngeschäft vieler Kanzleien zu zerstören. Diese Entwicklung bietet aber auch Chancen. In den nächsten 10 Jahren wird ein Drittel der Erwerbstätigen in Bayern in den Ruhestand gehen. Selbst mit gesetzgeberischen Maßnahmen, die eine Weiterbeschäftigung über den Renteneintritt hinaus attraktiv machen, fehlen dem Arbeitsmarkt immer mehr Fachkräfte. Wir haben also keine andere Wahl, als uns der Technik zu bedienen und sie überlegt und zielgerichtet einzusetzen.

Ich bin überzeugt, dass wir mit dem politischen Gewicht des LSWB, vertreten durch fast 6000 Mitglieder, und den über Jahre gewachsenen guten Beziehungen zu Kammer, Verbänden, Wirtschaft und Politik den Wandel nicht nur begleiten, sondern aktiv mitgestalten werden. Unser Berufsstand ist für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes unverzichtbar und wir sind uns unserer Rolle bewusst. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben – mit Ihnen allen und für Sie alle. Getreu dem Motto „Wir bauen auf dem auf, was war – und gestalten das, was kommt”.