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Führungskompetenzen und Soft Skills in der Steuerberatung

Die Basis erfolgreicher Kanzleiführung

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Autor: Jutta Fischer-Neuner 

Heft 04/2026: Führungskompetenz & Soft Skills

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Die Anforderungen an Steuerberatungskanzleien haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Neben der fachlichen Expertise im Steuerrecht, Rechnungswesen und in betriebswirtschaftlichen Fragestellungen gewinnen zwischenmenschliche Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Mandanten erwarten heute nicht nur korrekte steuerliche Beratung, sondern auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, schnelle Kommunikation und individuelle Betreuung. Gleichzeitig stehen Kanzleien vor Herausforderungen wie Fachkräftemangel und Digitalisierung.

Vor diesem Hintergrund kommt den Führungskräften in den Kanzleien eine zentrale Rolle zu. Erfolgreiche Kanzleiführung basiert nicht ausschließlich auf fachlichem Wissen, sondern vor allem auf ausgeprägten Führungskompetenzen und Soft Skills. Sie sind entscheidend für die Motivation der Mitarbeiter, die Qualität der Mandantenbeziehungen und somit auch für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Kanzlei.

Denken wir jetzt einmal an die jungen Steuerberater. Sie haben die Steuerberaterprüfung bestanden und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Sie schaffen Arbeitsplätze und möchten vor allem eines: gute steuerliche Arbeit leisten. Ob diese Arbeitsplätze langfristig besetzt bleiben, entscheidet jedoch nicht allein die fachliche Kompetenz. Hier kommen Führungskompetenzen und Soft Skills ins Spiel. Sie bestimmen maßgeblich darüber, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben oder ob es eine 1-Mann-Kanzlei bleibt.

Durch die Digitalisierung kommt noch eine neue Form der Berufsausübung hinzu. Die rein digitale Kanzlei. Hier kann Steuerberatung am Laptop von irgendeinem Ort dieser Welt aus erbracht werden. Als Kanzlei kann jede organisatorische Einheit zur beruflichen Ausübung der Steuerberatung – unabhängig von der Rechtsform, Größe oder Anzahl der Berufsträger – gesehen werden. Aus meiner Sicht kann sie jedoch kein menschenleeres, ausschließlich virtuelles Konstrukt sein. Der Mensch bleibt Dreh- und Angelpunkt unserer Tätigkeit. Der Mandant möchte einen Ansprechpartner. Er möchte Vertrauen aufbauen, Fragen stellen und schwierige Entscheidungen mit einem Menschen besprechen.

Da sich unsere Welt heute schneller denn je verändert, muss moderne Führung situativ und nicht starr entscheiden. Gleichzeitig darf agile Führung nicht dazu führen, dass Orientierung verloren geht. Mitarbeiter wünschen sich zwar Frei­­­­räu­me, aber gleichzeitig auch klare Strukturen.

Zudem gewinnt das Führen hybrider Teams an Bedeutung. Homeoffice-Regelungen und flexible Arbeitsmodelle stellen neue Anforderungen an Kommunikation, Vertrauen und Ergebnisorientierung. Führungskräfte müssen lernen, Leistung nicht ausschließlich über Präsenz, sondern über Zielerreichung und Arbeitsergebnisse zu bewerten.

Hier kommt der Begriff des „Moving Targets“ ins Spiel. Als Kanzleiinhaber müssen Sie die Wünsche und Anforderungen Ihrer Mandanten annehmen und unter Berücksichtigung der Kanzleiziele an Ihre Mitarbeitenden weitergeben. Stetig neue Anforderungen und sich verändernde Zielsetzungen gehören inzwischen zum Alltag. Dies erfordert ein hohes Maß an Planung, Steuerung und Motivation. Ein Problem entsteht nicht deshalb, weil sich das Ziel bewegt. Ein Problem entsteht, wenn niemand bemerkt, dass sich das Ziel bewegt hat. Es würden alle engagiert in eine Richtung arbeiten, während der Mandant längst eine andere verfolgt. Die Folge sind unnötige Aufwände, verschwendete Ressourcen und Frustration bei allen Beteiligten.

Ein anderer Gesichtspunkt kommt von Psychologen: „Fehler sind Schätze.“ Ganz falsch ist dieser Gedanke nicht. Fehler müssen offen angesprochen werden können. Gleichzeitig sollte der Blick auf die zukünftige Fehlervermeidung gerichtet sein und nicht auf die Suche nach einem Schuldigen. Häufig hört man den Anspruch, ein Fehler dürfe nur einmal passieren. Das setzt allerdings entweder überschaubare Tätigkeiten oder nahezu perfekte Prozesse voraus. Beides wird man in einer Steuerkanzlei nur selten vorfinden. Deshalb benötigen Kanzleien strukturierte Einarbeitungspläne, eine systematische Fehlerdokumentation, regelmäßige Auswertungen sowie Arbeitsanweisungen und Checklisten. Doch auch der beste Prozess ist wertlos, wenn niemand prüft, ob die vorgesehenen Maßnahmen tatsächlich wirken. Hier müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen. Wenn auch die Kanzleileitung eigene Fehler offen eingesteht, fällt es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutlich leichter, dies ebenfalls zu tun.

Ein Problem entsteht nicht deshalb, weil sich das Ziel bewegt. Ein Problem entsteht, wenn niemand bemerkt, dass sich das Ziel bewegt hat.

Doch welcher Führungsstil ist nun der richtige? Der autoritäre Führungsstil hat ebenso Vor- und Nachteile wie ein Laissez-faire-Ansatz oder eine vollständig demokratische Entscheidungsfindung. Wie so oft führen extreme Positionen selten zum Erfolg. Entscheidend ist der ausgewogene Mittelweg. ­
Ziel sollte eine kollegiale Zusammenarbeit sein, die Zufriedenheit, Motivation und Kreativität fördert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu binden gelingt nur, wenn die Kanzleiführung überzeugt, motiviert und ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnet. Dazu gehört es auch, Entscheidungen zu treffen, die nicht allen gefallen. Werden die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt und die Gründe für Entscheidungen nachvollziehbar kommuniziert, wird Durchsetzungsvermögen als Führungskompetenz und nicht als Machtausübung wahrgenommen.

Steuerkanzleien, die gezielt in die Entwicklung ihrer Führungskräfte investieren, schaffen nicht nur ein attraktives Arbeitsumfeld, sondern sichern auch ihre Zukunftsfähigkeit. Denn letztlich sind es die Menschen einer Kanzlei, die Führungskräfte und Mitarbeiter, die den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb ausmachen.

Begeistern Sie sich für Ihre tägliche Arbeit, dann begeistern Sie auch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür. Zeigen Sie, dass wir einen der spannendsten und vielseitigsten Berufe überhaupt ausüben. Machen Sie deutlich, dass unsere Arbeit weit mehr ist als Optimierung von Zahlen und die Steigerung von Renditen. Bleiben Sie den Idealen der Freiberuflichkeit treu, entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter weiter und tragen Sie dazu bei, die Zukunft unseres Berufsstandes zu sichern. Denn die beste Strategie zur Sicherung von Fachkräften lautet am Ende nicht, Mitarbeiter zu finden, sondern Mitarbeiter zu behalten.

Der LSWB bietet zu diesen Themen zahlreiche Veranstaltungen und Seminare an. Kommunikationsfragen werden beispielsweise im Lehrgang „Ausbildung für Ausbilder mit LSWB-Verbandssiegel – Qualifizierte Ausbildungskanzlei“ behandelt. Ebenso greifen Seminare wie „Gute Mitarbeiter suchen – finden – halten“ oder „Vom Mitarbeiter zur Führungskraft“ wichtige Aspekte moderner Führung auf.

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