
Schon immer Zukunft
Seit 60 Jahren gestaltet DATEV mit und für Kanzleien Wandel und Transformation
Datum:
Heft 02/2026: Veränderung für den Berufsstand
Als DATEV am 14. Februar 1966 gegründet wurde, lernte die Welt gerade, den Weltraum zu erobern: Der erste Mensch hatte die Erde im All umrundet, aber auf dem Mond war noch niemand gelandet. Computer, die auch für die Raumfahrt wichtig waren, füllten ganze Räume, Daten wurden auf Lochstreifen erfasst. Begriffe wie Cloud oder Künstliche Intelligenz brachten die meisten eher mit Science-Fiction in Verbindung.
Sechzig Jahre später ist der Orbit fast überfüllt und auf der Erde die Zusammenarbeit über digitale Tools im Alltag nicht nur von Kanzleien selbstverständlich – und DATEV ein zentraler Möglichmacher des Wandels im Berufsstand. Unter dem Motto „Schon immer Zukunft“ feiert die Genossenschaft ihren 60. Gründungstag und zeigt damit, dass Transformation seit jeher zu ihrer DNA gehört und der Blick immer nach vorne und auf den Nutzen für die Mitglieder gerichtet ist.
Gemeinschaft als Antwort auf gestiegene Anforderungen
Mitte der 1960er-Jahre standen viele Kanzleien unter erheblichem Druck. Starkes Wirtschaftswachstum, Fachkräftemangel und die Einführung der Mehrwertsteuer erhöhten die Anforderungen an sie. Elektronische Datenverarbeitung, die hilfreich sein könnte, war nur über zentrale Großrechner möglich und deshalb teuer. 65 Steuerbevollmächtigte aus dem Kammerbezirk Nürnberg taten sich deshalb zusammen und gründeten 1966 die DATEV – die „Datenverarbeitungszentrale der steuerberatenden Berufe Nürnberg eG“.
Vertrauen, Solidarität und Mitgestaltung wurden zum Fundament dieses Zusammenschlusses. Der Mitgründer und langjährige Vorstandsvorsitzende Dr. Heinz Sebiger formulierte es so: „Die Idee ist, gemeinsam anzupacken, was jeder Einzelne von uns nicht geschafft hätte.“ Dieser Gedanke prägt DATEV bis heute.
Technologische Pionierarbeit im Berufsstand
Von Anfang an setzte die Genossenschaft auf technologische Pionierarbeit. 1969 nahm DATEV ihr erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb – ausgestattet mit vier IBM-Großrechnern und einer Gesamtspeicherkapazität von 320 Kilobyte. Was aus heutiger Sicht sehr bescheiden wirkt, war damals ein technologischer Sprung in die Zukunft. 1974 folgte mit dem eigenen Netz zur Datenfernübertragung (DFÜ) für die Mitglieder die Möglichkeit, Daten „online“ per Telefonleitung nach Nürnberg ins Rechenzentrum zu senden – visionär in einer Zeit lange vor ISDN, Internet und Remote-Arbeit.
Mit jeder technologischen Welle entwickelte sich DATEV weiter – und blieb dabei stets nah an den Bedürfnissen von Kanzleien und deren Mandanten. In den 1980er-Jahren entstand mit dem DATEV-Verbundsystem (DVS) eine integrierte Prozess- und Datenwelt, die PC-Programme mit Prozessen im Rechenzentrum verband und so Effizienz und Datensicherheit deutlich erhöhte.
Vom Rechenzentrum zum digitalen Ökosystem
Mit der wachsenden digitalen Vernetzung zwischen Kanzleien und DATEV weitete sich der digitale Austausch in den 1990er Jahren auch auf die Finanzverwaltung aus. Daten der Steuererklärung konnten über die Elektronische Datenübertragung (EDÜ) digital an die Finanzbehörden übermittelt werden. Die heutige ELSTER-Anwendung der Finanzbehörden basiert auf diesem EDÜ-Verfahren von DATEV – ein weiterer Beleg für die Rolle der Genossenschaft als Innovationstreiber.
Ein entscheidender Schritt in Richtung Cloud erfolgte 2007 mit DATEV Unternehmen online, das die Kanzleien mit ihren Mandanten digital verband. Was damals als „Buchführung mit Zukunft“ vermarktet wurde, ist inzwischen für mehr als 750.000 Anwender Alltag: Beschäftigte in Kanzleien und Unternehmen arbeiten standortunabhängig, nahezu in Echtzeit über durchgängige digitale Prozesse zusammen – über das DATEV-Rechenzentrum. Dieses war, ist und bleibt eine Datendrehscheibe – sicher, hochverfügbar und verlässlich.
Das digitale Ökosystem der DATEV treibt die Vernetzung der Kanzleien mit ihren Mandanten und deren Branchenlösungen sowie mit Banken, Behörden und Sozialversicherungsträgern weiter voran. Anwendungen von Softwarepartnern lassen sich integrieren, Daten fließen medienbruchfrei zwischen den Beteiligten, beispielsweise über die E-Rechnungsplattform, cloudbasierte Finanz- und Lohnprozesse sowie den digitalen Finanzbericht.
Was DATEV seit 60 Jahren ausmacht, ist gemeinschaftliche Stärke und die Verbindung von genossenschaftlicher Stabilität mit Innovation.
Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG
Wachstum in Zahlen – Stabilität im Wandel
Die wirtschaftliche Entwicklung der Genossenschaft belegt den Erfolg des Modells, gemeinsam die technische Transformation des Berufsstandes und der mittelständischen Wirtschaft voranzubringen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Kunden – Kanzleien und ihre meist mittelständischen Mandanten – auf über 910.000 mehr als verdreifacht. Bereits 2018 überschritt DATEV erstmals die Umsatzmilliarde; 2024 lag der Jahresumsatz bei über 1,5 Milliarden Euro. Mehr als 9.000 Mitarbeitende an 22 Standorten arbeiten heute für die Genossenschaft. Monatlich werden fast 15 Millionen Lohn- und Gehaltsabrechnungen mit DATEV-Software erstellt.
Dieser rasanten Entwicklung stehen Stabilität und Kontinuität an anderer Stelle gegenüber: An der Spitze des Unternehmens standen in sechs Jahrzehnten lediglich drei Vorstandsvorsitzende. Nach Dr. Heinz Sebiger und Prof. Dieter Kempf führt seit 2016 Prof. Dr. Robert Mayr die Genossenschaft.
Zukunft im Blick: Cloud-first und KI
Das Jubiläum fällt in eine Zeit besonderer Herausforderungen, technisch wie wirtschaftlich. Schritt für Schritt wird in den kommenden Jahren das Produktportfolio der DATEV weiterentwickelt, hin zu einer vollständig cloudbasierten Infrastruktur mit integrierten KI-Anwendungen. Nicht nur für die Genossenschaft, sondern auch für jedes einzelne Mitglied ist das eine verantwortungsvolle Aufgabe. Denn der Weg in die Cloud ist kein klassisches IT-Projekt, sondern eine umfassende Führungsaufgabe. Hier gilt stärker denn je: Veränderung muss aktiv gestaltet werden.
Künstliche Intelligenz wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Schon heute ist sie für viele Teil des beruflichen Alltags. KI-basierte Anwendungen automatisieren Routineprozesse und unterstützen beispielsweise bei der Belegverarbeitung und der Liquiditätsprognose. In der DATEV KI-Werkstatt entwickeln Mitglieder gemeinsam mit Expertinnen und Experten weitere Lösungen und testen Prototypen praxisnah.
Genossenschaftliche Stärke als Motor für Innovation
„Was DATEV seit 60 Jahren ausmacht, ist gemeinschaftliche Stärke und die Verbindung von genossenschaftlicher Stabilität mit Innovation“, sagt DATEV-CEO Prof. Dr. Robert Mayr. „Von Anfang an ging es nicht um Technik um der Technik willen, sondern darum, die Arbeit in den Kanzleien zu erleichtern. Was als gemeinsames Rechenzentrum begann, entwickeln wir heute weiter zu einer cloudbasierten, intelligenten Infrastruktur – und schaffen so eine sichere Basis für die Zusammenarbeit der Zukunft.“
Leitstern bleibt dabei ein Satz von Dr. Heinz Sebiger: „Die Aufgabe von DATEV ist es, dafür zu sorgen, dass es unseren Mitgliedern morgen besser geht als heute.“
Sechzig Jahre nach der Gründung ist die Welt eine andere. Doch der Anspruch ist derselbe geblieben: den steuerberatenden Berufsstand gemeinsam mit dem Mittelstand stark zu machen – und Zukunft nicht nur zu begleiten, sondern zu gestalten.
