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Führung ist die härteste Währung im Employer Branding

Warum die Arbeitgebermarke einer Kanzlei nicht in der Kampagne entschieden wird, sondern im Führungsalltag

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Autor: Michael Benz, Jens C.  Hoeppe 

Heft 04/2026: Führungskompetenz & Soft Skills

© Foto: Masha/adobe stock

Um qualifizierte Fachkräfte konkurrieren Kanzleien heute härter als um Mandate. Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung leben von klugen Köpfen, und die sind knapp. Employer Branding gilt vielen als naheliegende Antwort: starke Bilder, klare Botschaften, ein attraktives Leistungsversprechen. Doch in wissensintensiven Beratungsberufen reicht kommunikative Brillanz allein nicht aus. Wer fachliche Exzellenz und Vertrauen verkauft, dessen Arbeitgebermarke ist besonders anfällig für Glaubwürdigkeitsverluste. Was nach außen versprochen wird, muss innen jeden Tag erlebbar sein. Die eigentliche Bewährungsprobe der Arbeitgebermarke findet nicht in der Kampagne statt, sondern im Führungsalltag.

Die Außendarstellung ist nur das Versprechen

Natürlich braucht jede Kanzlei einen stimmigen Auftritt nach außen. Er schafft Sichtbarkeit, hebt sie im Wettbewerb um Talente hervor und macht deutlich, wofür sie als Arbeitgeber steht. Gerade in der Beratung ist das relevant, denn Bewerberinnen und Bewerber entscheiden sich nicht nur für eine Stelle. Sie entscheiden sich für ein fachliches Umfeld, für Reputation, für Mandatsnähe und für die Qualität der Führung, unter der sie arbeiten werden. Eine starke Arbeitgebermarke muss deshalb mehr leisten als Aufmerksamkeit. Sie gibt ein belastbares Qualitätsversprechen ab.

Ob dieses Versprechen trägt, entscheidet die Führung. Kultur entsteht nicht in Präsentationen, Leitbildern oder auf der Karriereseite, sondern in der täglichen Führungsrealität: in der Qualität von Feedback, in der Fairness von Entscheidungen, in der Entwicklung junger Talente und in der Frage, ob Leistung mit Orientierung, Respekt und Professionalität verbunden wird. Mitarbeiter erleben die Kultur einer Kanzlei nicht abstrakt, sondern über ihre Partner und Vorgesetzten. Damit sind Führungskräfte die glaubwürdigsten oder eben die unglaubwürdigsten Botschafter der Arbeitgebermarke.

Ein Beispiel: Steht in der Hochsaison ein Jahresabschluss unter Zeitdruck und nimmt sich die Führungskraft zehn Minuten, um die Korrekturen gemeinsam mit einer Berufseinsteigerin durchzugehen, statt sie kommentarlos zu überschreiben, erlebt diese Wertschätzung, fachliche Entwicklung und Verlässlichkeit in einem einzigen Vorgang.

Geprüft wird täglich, vom Erstkontakt bis zum Abschied

Diese Wirkung zieht sich durch die gesamte Zusammenarbeit. Schon im Bewerbungsprozess beobachten Kandidatinnen und Kandidaten genau, wie eine Kanzlei auftritt und ob Anspruch und Tonalität zusammenpassen. Im  Onboarding folgt der erste harte Abgleich mit der Wirklichkeit: Werden neue Mitarbeiter wirklich integriert? Erle­ben sie Führung als zugewandt, anspruchsvoll und entwicklungsorientiert? Danach setzt sich dieser Abgleich täglich fort, in der Projektarbeit, in Beförderungen, in Phasen hoher Belastung und beim Abschied. Weil Beratung über Menschen und fachliche Standards funktioniert, ist dieser Abgleich hier besonders sichtbar und folgenreich.

Gutes Führungsverhalten ist deshalb kein weicher Faktor, sondern ein harter Reputationshebel. Wo Führung Klarheit schafft, Entwicklung ermöglicht und Zugehörigkeit stiftet, entsteht Vertrauen, in wissensintensiven Berufen eine strategische Ressource. Wer gute Führung erlebt, bleibt länger, empfiehlt die Kanzlei weiter und spricht glaubwürdig über seine Erfahrungen. Genau daraus entsteht das persönliche Narrativ, das eine Arbeitgebermarke stärkt oder entwertet.

Es verlässt die Kanzlei jeden Tag und zeigt sich in Empfehlungen an mögliche Bewerber, in der Resonanz ehemaliger Mitarbeitender und sichtbar auf Bewertungsplattformen wie kununu. Dort verdichten sich einzelne Erfahrungen zu Reputation. Wer öffentlich über Führung, Entwicklung und Fairness berichtet, prägt das Bild eines Arbeitgebers oft stärker als jede Kampagne. In der Beratung wiegt das schwer, weil Glaubwürdigkeit und persönliches Erleben eng zusammenhängen.

Wo Anspruch und Alltag auseinanderfallen

Schwache Führung richtet umgekehrt den größten Schaden an. Wird Professionalität, Entwicklung und Wertschätzung nach außen versprochen, intern aber nicht eingelöst, entsteht ein Vertrauensbruch. Mitarbeiter registrieren solche ­Widersprüche sofort und gleichen sie täglich ab: in Meetings, in der Besetzung von Projekten, in Feedbackgesprächen und in der Art, wie unter Druck geführt wird. Eine Arbeitgeber­marke scheitert deshalb selten an zu wenig Kommunikation. Sie scheitert an zu wenig gelebter Führungsqualität.

Wer in einem Markt bestehen will, in dem Talent, Expertise und Mandantenvertrauen zählen, kann sich keine kulturelle Doppelbotschaft leisten.

Ein Gegenbeispiel: Wird einer Mitarbeiterin die Leitung eines größeren Mandats in Aussicht gestellt, geht diese Chance dann aber zweimal an andere, ohne dass jemand das Gespräch sucht, zählt das Versprechen aus dem Bewerbungsgespräch nichts mehr. Es bleibt die Botschaft: Entwicklung ist hier ein Wort für die Karriereseite, kein Maßstab im Alltag. Kanzleien müssen Employer Branding und Führung deshalb konsequent zusammendenken. Wer in einem Markt besteht, in dem Talent, Expertise und Mandantenvertrauen zählen, kann sich keine kulturelle Doppelbotschaft leisten. Eine starke Arbeitgebermarke entsteht zwar in der Kommunikation. Belastbar wird sie aber erst durch Führungskräfte, die Haltung zeigen, Standards setzen, Menschen entwickeln und Kultur im Alltag glaubwürdig verkörpern. Das gilt unabhängig von der Größe der Kanzlei, denn dieser Hebel verlangt kein großes Budget, sondern Konsequenz.

Führung zum System machen

Daraus folgt mehr als ein Appell an einzelne Führungskräfte. Kanzleien brauchen eine abgestimmte Führungskräfteentwicklung, die konsequent vom wichtigsten Vermögenswert ausgeht: von den Mitarbeitern mit ihren Persönlichkeiten und Kompetenzen, vor allem aber mit ihrer Motivation und ihrem Engagement. Gerade in wissensintensiven Geschäftsmodellen entsteht Wert nicht durch Strukturen, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen und Beziehungen gestalten.
Die Grundlage dafür ist ein modernes Verständnis von Kompetenz, das fachliche Exzellenz nicht gegen Führungs­qualität ausspielt. Drei Bausteine helfen in der Praxis: klare Führungsgrundsätze, die den Umgang mit Menschen verbindlich machen; eine Auswahl von Führungskräften, die nicht allein auf Umsatz und Seniorität schaut, sondern auf die Fähigkeit, Menschen zu entwickeln; und ein belastbares Feedback­system, das Führungsverhalten aus Sicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichtbar macht und Veränderung einfordert. So entfaltet Führung ihre kulturprägende Wirkung.

In der Beratung ist Führung kein Begleitthema des Employer Brandings, sondern sein Prüfstand. Erst wenn Mitarbeiter das Arbeitgeberversprechen im täglichen Miteinander als glaubwürdig erleben, werden sie zu überzeugenden Botschaftern ihrer Kanzlei. Dann stimmen Außendarstellung und Innen­wirkung überein, und das entscheidet über Attraktivität, Bindung und Reputation. Wer Employer Branding ernst meint, richtet Führung an dem aus, was in der Beratung den eigentlichen Wert schafft: an den Menschen, ihren Kompetenzen, ihrer Motivation und ihrem Engagement.­

Den Impuls zu diesem Beitrag gaben die Autoren mit ihrem Vortrag „Gute Führung als Erfolgsfaktor für die Arbeitgebermarke“ auf der talents4TAX.