
Warum viele Steuerkanzleien keinen Berufsträger finden
Fünf typische Fehler bei der Suche nach Steuerberatern – und wie man sie vermeidet
Datum:
Heft 02/2026: Veränderung für den Berufsstand
Viele Steuerkanzleien stehen derzeit vor einer zentralen Herausforderung: Die Suche nach einem angestellten Steuerberater oder einem potenziellen Partner beziehungsweise Nachfolger gestaltet sich zunehmend schwierig. Häufig bleibt eine entsprechende Position über Monate oder sogar Jahre unbesetzt.
Dabei geht es nicht nur um eine offene Stelle. Für viele Kanzleien ist die Frage nach einem weiteren Berufsträger inzwischen eine strategische Zukunftsentscheidung. Gerade mittelständische Kanzleien sind strukturell häufig stark von einem oder wenigen Berufsträgern abhängig. Wenn diese Personen ausfallen oder ihre Verantwortung reduzieren möchten, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Organisation haben.
Auch in Bayern zeigt sich dieses Bild zunehmend. Viele Kanzleien berichten von langen Suchphasen, wenig passenden Bewerbungen und steigender Belastung für die vorhandenen Berufsträger.
In der Praxis zeigen sich dabei immer wieder ähnliche Ursachen. Fünf typische Fehler treten besonders häufig auf.
1. Zu wenige qualifizierte Bewerbungen
Viele Kanzleien schalten Stellenanzeigen oder beauftragen Personalvermittler, erhalten jedoch kaum passende Bewerbungen. Die wenigen eingehenden Profile erfüllen häufig nicht die fachlichen Erwartungen oder führen im persönlichen Gespräch nicht zu einer Besetzung der Position.
Bleibt eine Berufsträgerstelle über längere Zeit offen, steigt meist die Belastung für die vorhandenen Verantwortlichen. Gleichzeitig fehlt der Kanzleileitung häufig die notwendige Zeit, um sich mit strategischen Themen wie Digitalisierung, Mandantenentwicklung oder Prozessoptimierung zu befassen.
2. Personalvermittler lösen das strukturelle Problem nicht
Wenn klassische Stellenanzeigen nicht funktionieren, greifen viele Kanzleien auf Headhunter zurück. Diese können zwar Kontakte herstellen, verändern jedoch nicht automatisch die Attraktivität einer Kanzlei im Arbeitsmarkt.
Für Steuerberater ist ein Arbeitsplatzwechsel eine weitreichende Entscheidung. Ohne eine überzeugende Perspektive führt auch ein über Personalvermittler hergestellter Kontakt häufig nicht zu einer erfolgreichen Besetzung.
3. Es fehlt ein klarer Wechselgrund
Viele Kanzleien formulieren in der Suche nach einem Berufsträger lediglich eine Stellenbeschreibung und ein Gehaltsangebot.
Für diese Zielgruppe reicht das jedoch selten aus. Ein angestellter Steuerberater befindet sich meist in einer stabilen Position mit guter Vergütung und klarer Verantwortung. Ein Wechsel wird daher nur dann in Betracht gezogen, wenn Rolle, Entwicklungsmöglichkeiten oder unternehmerische Perspektiven erkennbar attraktiver sind als die aktuelle Situation.
4. Die falschen Suchkanäle
Ein weiterer Grund für ausbleibende Bewerbungen liegt in der Wahl der Kanäle. Viele Kanzleien setzen weiterhin ausschließlich auf klassische Wege wie Empfehlungen im Netzwerk oder einzelne Stellenanzeigen.
Doch viele erfahrene Steuerberater sind nicht aktiv auf Jobsuche. Sie befinden sich in festen Positionen und prüfen neue Optionen meist nur dann, wenn sie gezielt darauf aufmerksam werden oder eine interessante Perspektive erkennen.
Wer ausschließlich auf traditionelle Suchmethoden setzt, erreicht daher häufig nur einen kleinen Teil der relevanten Zielgruppe.
5. Die Suche erfolgt ohne klare Strategie
In vielen Kanzleien erfolgt die Suche eher situativ: einmal eine Stellenanzeige, gelegentlich ein Personalvermittler oder eine einzelne Werbeanzeige auf einem sozialen Netzwerk.
Ein Steuerberater entscheidet sich jedoch selten aufgrund eines einzelnen Kontakts für einen Wechsel. In der Regel entstehen solche Entscheidungen erst nach mehreren Berührungspunkten sowie einer klar erkennbaren Perspektive.
Ohne ein systematisches Vorgehen bleibt die Suche daher häufig vom Zufall abhängig.
Wann Kanzleien handeln sollten
Ein genauer Blick auf die eigene Situation lohnt sich insbesondere dann, wenn
- Sie der einzige oder einer von wenigen Berufsträgern in Ihrer Kanzlei sind,
- seit längerer Zeit keine qualifizierten Bewerbungen eingehen,
- eine konkrete Nachfolgeperspektive fehlt,
- unklar ist, warum ein Steuerberater zu Ihrer Kanzlei wechseln sollte.
In diesen Fällen handelt es sich meist nicht um ein kurzfristiges Recruiting-Thema, sondern um eine strategische Zukunftsfrage.
Wenn Sie einen oder mehrere Steuerberater gewinnen möchten, beginnen Sie frühzeitig und gehen Sie das Thema ganzheitlich an. Wer zu lange wartet, hat deutlich schlechtere Chancen.
Information
Über den Autor
Philipp Gülpen ist Geschäftsführer der PG Digital GmbH. Das Unternehmen unterstützt Steuerkanzleien im deutschsprachigen Raum dabei, Mitarbeiter und Mandanten planbar zu gewinnen und langfristig zu binden.
Seit über sieben Jahren arbeitet PG Digital ausschließlich mit Steuerkanzleien zusammen und hat inzwischen über 350 Kanzleien begleitet. Ziel ist es, Kanzleiinhaber aus der dauerhaften Überlastung zu führen und nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.
Durch ein ganzheitliches System gelingt es vielen Kanzleien, regelmäßig qualifizierte Bewerbungen zu erhalten, neue Mandanten zu gewinnen und ihre Teams langfristig zu stabilisieren. In den vergangenen Jahren konnten im Rahmen der Zusammenarbeit mit Steuerkanzleien zahlreiche Berufsträgerpositionen besetzt werden – unter anderem in Städten wie München, Germering, Ulm und Neumarkt in der Oberpfalz sowie in vielen weiteren Regionen.
Weiterführende Informationen für Kanzleiinhaber
Steuerkanzleien, die aktuell einen angestellten Steuerberater, Partner oder potenziellen Nachfolger suchen, stehen häufig vor ähnlichen Herausforderungen.
In einem kompakten Spezial-Report hat PG Digital die häufigsten Ursachen zusammengefasst, warum viele Kanzleien trotz intensiver Suche keinen passenden Berufsträger finden – und welche strategischen Ansätze sich in der Praxis bewährt haben.
LSWB-Mitglieder können diesen Report derzeit kostenfrei herunterladen: www.click.pg-digital.de/steuerberater-finden
